"Salud" sucht neuen Sänger

(Kreis-Anzeiger, 11.06.2016)

OBER-WIDDERSHEIM - (red). Die vor drei Jahren gegründete Band „Salud“ aus Ober-Widdersheim sucht einen neuen Sänger. Florian Leckhardt musste die Band aus beruflichen Gründen verlassen. Jetzt wird ein Nachfolger für ihn gesucht. Vor einem Jahr brachte die Gruppe ihre erste CD – „Mach den Krach aus“ – heraus. Momentan besteht „Salud“ aus Christian Rosenkranz (Rhythmusgitarre), Daniel Rosenkranz (Leadgitarre, Zweitgesang), Marco Wehrum (Bass) und dem neuen Drummer Renè Zinsheimer, der im Februar Marvin Jockel abgelöst hat. Jockel unterstützt die Band aber weiterhin in Sachen Technik und Logistik. Gesucht wird ein Sänger zwischen 18 und 28 Jahren mit Interesse an deutschsprachiger (Hard-)Rockmusik. Bühnen- und Banderfahrung sind von Vorteil, aber keine Voraussetzung. „Es sollte Interesse vorhanden sein, sich an Bandprojekten zu beteiligen und musikalisch wie textlich einzubringen“, beschreibt die Band das Profil. Der Aspirant sollte zudem einen Führerschein haben. Bis zu zweimal in der Woche treffen sich die „Salud“-Mitglieder, um ihm Probenraum in der Wydratstraße in Ober-Widdersheim zusammen Musik zu machen. Interessenten können unter salud-rock@web.de oder via Facebook Kontakt zur Band aufnehmen.


CD-Review 

(AGF-Radio, 19.08.2015)

 

 Salud -Mach den Krach aus

 

Release 05. 06. 2015

Eigenproduktion

 

Gründungsmitglieder, der im Jahre 2013 im Herzen Hessens gegründeten Band Salud, sind Flo, Daniel und Christian.

Verschiedene Musikgeschmäcker und – Einflüsse tragen die junge Band aus Ober- Widdersheim, die Marvin und Marco als Quintett komplettieren.

 

Bandbesetzung:

Flo – Gesang

Marco – Bass

Marvin – Drums

Christian – Rhythmusgitarre, Lyrics

Daniel – Leadgitarre, Zweitgesang, Komponist

 

Die Jungs bezeichnen ihre Musik selbst als modernen, ungeahnt kreativen, deutschsprachigen Hardrock, dabei wollen sie sich bewusst mit eigenen Songs vom oft verpöhnten „Proletendeutschrock“ lösen und zeigen, dass man harte Rockmusik auch mit kreativen Texten, Melodien und melodiösem Gesang betreiben kann! Sie legen Wert auf Originalität und Kreativität, sowohl bei der Musik als auch in den Texten, die sich mit sozialkritischen und gesellschaftlichen Themen, wie z. B. der Kommerzialisierung des Fußballs („Hopp oder Top“) beschäftigen. Aber auch philosophische Themen, wie die Frage nach dem Sinn des Lebens („Unendlichkeit“) werden angesprochen. Vom Sound versprechen sie ebenfalls Vielseitigkeit, so zeigen sie sich gerne verzerrt, manchmal aber auch akustisch. Bei all dem wollen sie sich in kein bestimmtes Genre einordnen lassen sondern der deutschsprachigen Rockmusik neue Facetten aufzeigen.

Zwei Jahre nach Bandgründung erschien jüngst ihr Debütalbum Mach den Krach aus mit sechs Songs, welche von Ende 2014 bis Anfang April im Churchstreet Music Studio in Linden aufgenommen und von Sammy David produziert wurden.

Das Cover der EP zeigt schlicht den Band- und Albumnamen sowie ein Bandfoto welches von

Kreft-Fotografie stammt.

 

„…Weil eine Band, die gar nicht jeder kennt, die ganze Stadt verzückt…“

 

Tracklist:

 

01. Mach den Krach aus (2.55)

02. Krieg (4.05)

03. Durchschnitt (4.11)

04. Unendlichkeit (3.49)

05. Ich bin ich (3.36)

06. Hopp oder Top (2.49)

 

Los geht’s mit dem Titelsong „Mach den Krach aus“, in dem vor allem der Bass dominiert.

Rhythmisch eine flotte Partie, in der man sich textlich selbstbewusst aus dem Fenster lehnt:

 

„…wir überzeugen nicht durch Küsse sondern durch Hardrock und Saludschüsse. Heute lassen wir es krachen, schnallt euch an, denn wir machen weder Poprock noch Einheitsbrei…“

 

Eines der sozialkritischen Stücke der Platte findet sich mit „Krieg“, und auch der nachfolgende Song „Durchschnitt“ regt die Gedanken an.

Mit „Unendlichkeit“ hat die Band ein Akustikstück auf ihr Debüt gepackt, was sich inhaltlich mit dem Sinn des Lebens beschäftigt. Der Song ist mein heimlicher Favorit.

„Ich bin ich“ wird in der ersten Minute teils akustisch gespielt, dann aber hauen Marco, Christian und Daniel ordentlich in die Saiten und auch Marvin gibt den richtigen Takt an, um ordentlich mit zu wippen. Inhaltlich lässt es der Titel schon erahnen, worum es geht:

 

 „… mein Leben ist zu kurz, um mich anzupassen, lasst mich sein so wie ich bin…“!

 

Zu guter Letzt wird es sportlich – zumindest ansatzweise. In „Hopp oder Top“ bringt die Band die heutige Situation im Fußball genau auf den Punkt. Geld regiert eben doch die Welt und auch die Welt im Fußball. Da ist Leidenschaft und Freundschaft schon mal zweitrangig.

So wird der Sport kaputt gemacht!

 

Fazit:

Mit 6 Songs und guten 20 Minuten wurde vor vier Monaten das Debüt der 5 hessischen Buben veröffentlicht. Die Akustik gleicht an einigen Stellen wie geradewegs aus dem Proberaum auf CD gepackt, aber das ist nun mal das „Leid“ der Eigenproduktion. Immerhin ist hier noch viel Raum für Professionalität und Luft nach oben und dass das Salud klappt, da hab ich keine großen Bedenken.

 

Perli 

AGF- RADIO Redaktion

 


Nichts aufgesetzt, niemanden imitierend

(Kreis-Anzeiger, 06.06.2015)

NEUE BAND „Salud“ gibt in Kürze erste CD heraus / Mischung aus Rock und Hardrock

OBER-WIDDERSHEIM - So entstehen Liedtexte. Als Christian Rosenkranz morgens im Badezimmer die Musik mal wieder aufgedreht hatte, schimpfte seine Mutter: „Mach den Krach aus!“ Diese Ansage hinterließ offenbar solch einen Eindruck auf den heute 20-Jährigen, dass er daraus einen Text strickte. „Die ganze Meute ist am Toben/Alle spielen hier heut’ verrückt/Weil eine Band, die gar nicht jeder kennt/Die ganze Stadt verzückt.“

 

Mutter Rosenkranz kann nun sogar eine Art Urheberrecht erheben, denn immerhin sind ihre Worte titelgebend geworden für die erste CD der Band „Salud“, deren Herz in Ober-Widdersheim schlägt. Die Veröffentlichung des selbst produzierten Tonträgers steht unmittelbar bevor. Ziemlich „altmodisch“, auf einer Silberscheibe. Gewissermaßen eine Reminiszenz an das Album, gleich ob auf Schallplatte oder als CD herausgegeben. „Also die Zeit, als Musik noch keine Massenware war“, sagt Daniel (18), der die Texte seines Bruders Christian mit Noten versieht. „Als es auf dem Album noch 13 Lieder gab, die in einem Zusammenhang standen, denen ein Konzept zugrunde lag. Als nicht nur zwei Hits herausgegeben wurden und der Rest der Veröffentlichung Pausenfüller waren.“

 

Sobald eine Band einen Tonträger veröffentlicht, steht die Frage nach dem Erfolg im Raum. Als sei dies der ureigenste Zweck, wenn Menschen sich zusammentun, um Musik zu machen. „In allererster Linie“, sagt Daniel Rosenkranz, Auszubildender im Fach Elektronik, „stellen wir keine allzu hohen Erwartungen.“ Christian, angehender Industriekaufmann, räumt freilich ein. „Im Hinterkopf hat man natürlich immer gewisse Hoffnungen, aber reich davon werden wir wohl nicht.“

Das erste Album erscheint also in Kürze als CD, ein Song davon wird kostenlos als Mp3-Datei zum Downloaden bereitgestellt, der Rest, so ist das nun einmal heute, für wenige Cent pro Lied bei Amazon.

 

Das tut aber der Begeisterungsfähigkeit, der Spielfreude der „Salud“-Rocker nicht den geringsten Abbruch. Schließlich haben sie sich vor eineinhalb Jahren zusammengetan, weil sie „Lust darauf hatten, Musik zu machen“, wie Christian Rosenkranz in Erinnerung ruft. Er an der Rhythmus-Gitarre, sein Bruder an der Lead-Gitarre und Sänger Florian Leckhardt (Erkennungszeichen: Hut). Hinzu kamen durch Mund-zu-Mund-Propaganda am Bass der jetzt 21-jährige Marco Wehrum, derzeit Azubi als Bürokaufmann, und Drummer Marvin Jockel (16).

 

Probenraum

 

Dabei brachte Schlagzeuger Marvin noch einen Vorteil mit, um den viele Bands „Salud“ beneiden dürften: einen Probenraum im ersten Stock eines Gebäudes auf der elterlichen Hofreite. Dort gab es sogar schon Probenraumkonzerte vor 20 bis 30 Zuhörern und Auftritte im Hof. Bislang ist noch nicht eingetreten, was Christian Rosenkranz in seinem Krach-Lied heraufbeschwört: „Die Nachbarn rufen noch die Bullen an/Mach den Krach aus/An diesem Krach sollen sich die Geister scheiden/Ach und ,Salud‘/Die konnt’ ich sowieso noch nie leiden.“

Geblieben ist es bei diesen Auftritten nicht, denn im vergangenen November sind „Salud“ erstmals außerhalb des eigenen „Reviers“ aufgetreten, in einem Club bei Erfurt, wo Sänger Florian Leckhardt momentan als Berufssoldat stationiert ist. „Ein wenig nervös waren wir schon, gerade ob das mit der Technik hinhaut“, sagt Bassist Marco Wehrum. „Ging aber alles gut.“ Allerdings, wirft Daniel Rosenkranz ein, habe ihre Musik nicht ganz zu dem Konzept der Lokalität gepasst. „Später kamen da einige Jungs mit breiten Schultern und Glatzen herein. War vielleicht ganz gut, dass wir da schon gespielt hatten.“

 

Ihr Stil? Eine Mischung aus Rock, Hardrock und Anlehnungen an Metall, gitarrenlastig. Beim Auftritt vermeiden sie die aus dem Genre bekannten Gesten und Posen, was sie umso natürlicher, authentischer macht. Nichts aufgesetzt, niemanden imitierend. „Harte Sounds und melodische Songs“, bringt es Daniel auf einen Nenner. „Die Texte soll man schon verstehen und wahrnehmen.“ Seine Ideen, erzählt Christian Rosenkranz, kämen ihm manchmal morgens um vier Uhr, wenn er nicht schlafen könne. Dinge, die ihn eben bewegten. In „Hopp oder Topp“ etwa die Kommerzialisierung des Fußballs, die Verarmung des Fernsehprogramms, überhaupt die Verflachung der Gesellschaft. „Kann sein, dass ich dann mitten in der Nacht meinem Bruder meine Ideen aufs Handy schicke. Dann kann der nach dem Aufstehen gleich loslegen.“ Bewusst schreibe er seine Texte auf Deutsch. „Wir leben nun mal in Deutschland und Rock auf Deutsch zu schreiben, ist vielleicht eine Herausforderung.“

 

Wenn es um die Umsetzung der Ideen gehe, habe man sich gelegentlich schon „in den Haaren.“ Sprich: Dem endgültigen Song gehen Diskussionen voraus. „Solche, die konstruktiv sind“, beschreibt Marco Wehrum. „Einig sind wir uns am Ende immer geworden.“

Sollte ja auch so sein bei einer Beschäftigung, welche die Fünf als Hobby bezeichnen. Sage noch einer, Golf oder ähnliche Steckenpferde seien kostspielig. Gut und gerne 10 000 Euro sind bei „Salud“ bislang allein fürs Equipment zusammengekommen. „Wenn etwas Neues an Gerät auf dem Markt erscheint, kommt man natürlich schnell in Versuchung“, gibt Wehrum zu. „Am billigsten kommt der Sänger weg“, witzelt Christian Rosenkranz. „Der braucht nur ein taugliches Mikrofon.“ Was der aber mit seiner Stimme anstellen kann, davon können sich die Besucher der „Sommerkirmes-Rocknacht“ am 14. August in Ober-Widdersheim überzeugen, wenn „Salud“ mit zwei anderen Bands aus der Region loslegen, um „Krach“ zu machen: „Heute lassen wir es richtig krachen/Schnallt euch an, denn wir machen/Weder Pop-Rock noch Einheitsbrei/Feuer frei!“


Interview von Klaus Farin - "Südtirols konservative Antifaschisten"


Ende April 2015 erscheint ein monumentales Werk über „Frei.Wild. Südtirols konservative Antifaschisten“ und die Deutschrock-Szene (siehe www.facebook.com/Frei.Wild.DasBuch?ref=hl bzw. http://shop.jugendkulturen.de/375-freiwild.html). Autor ist Klaus Farin, Gründer des Berliner Archiv der Jugendkulturen und Autor u. a. von „Buch der Erinnerungen. Die Fans der Böhsen Onkelz“. Für dieses Buch hat Farin nicht nur mit Frei.Wild selbst Interviews geführt, sondern auch mit 59 (!) weiteren Deutschrock-Bands. 



Wie kam es eigentlich zu eurem Bandnamen?

Das ist eine lustige Geschichte. Wir saßen im Garten und überlegten, wie wir unsere Band nennen könnten. Nach gefühlt 3 unkreativen Stunden entdeckten wir eine alte Holzkiste im Garten, auf der in sehr eigener Form „Salud“ stand. Das fanden wir irgendwie cool und deshalb heißen wir so. J Aber außerdem soll der Name für Freundschaft und Geselligkeit stehen, da man das z. B. auch zum Anstoßen sagen kann. Das Wort hat in verschiedenen Sprachen viele verschiedene Bedeutungen, die aber alle positiv belegt sind. So kann es „Hallo“, „Prost“ oder auch „Gesundheit“ heißen – alles Begriffe, die für Menschlichkeit und Zusammenhalt stehen.

 

Was ist euer beruflicher Hintergrund, was seid ihr von der Ausbildung her?

Berufssoldat, Elektroniker, Industriekaufmann, Bürokaufmann, Schüler. Ein bisschen von allem eben. J

 

Was sind eure eigenen musikalischen Wurzeln?

Unsere musikalischen Vorbilder sind breit gestreut. Den größten musikalischen Einfluss auf uns haben wohl Bands wie Metallica, Motörhead, die Onkelz oder die Broilers. Unsere Musikgeschmäcker variieren aber extrem stark. Von Pop über Hardrock bis hin zum Death Metal ist fast alles vertreten.

 

Die (Deutsch-)Punk-Szene und Deutschrock vertragen sich ja nicht immer gut … Wie kommt das? Wie steht ihr dazu?

Sicherlich ist es so, dass einige Punk-Bands den Deutschrock-Bands Kommerzialisierung und eine gewisse „Rechtsaffinität“ oder zumindest eine „Rechtsoffenheit“ vorwerfen. Es gibt leider Ausnahmen, auf die diese Vorwürfe zutreffen, aber wir würden diese Vorwürfe nicht pauschalisieren. Generell sehen wir uns aber nicht als Bestandteil einer bestimmten Szene und können uns daher mit diesem Konflikt nicht identifizieren.

 

„Deutschrock“: Was ist das eigentlich für euch?

Der Begriff „Deutschrock“ ist sowas wie die Quadratur des Kreises. Was macht denn Peter Maffay? Was macht Frei.Wild, und was macht z. B. Silbermond? Alles ist deutschsprachige Rockmusik. Trotzdem würde wohl niemand behaupten, dass diese Künstler musikalisch verwandt sind. „Deutschrock“ wird allgemein als Musikstil mit simplen Riffs und eingängigen Melodien, die teilwiese zum Mitsingen animieren sollen, verstanden. Lyrisch rühmt sich das Genre mit ehrlichen, direkten und kompromisslosen Texten mitten aus dem Leben. In diesem Punkt sehen wir Gemeinsamkeiten zwischen uns und der Szene.

 

Deutschrock ist auch ein Marketingbegriff, eine verkaufsfördernde Schublade geworden, oder?

Die großen Bands profitieren häufig von den ständigen Kontroversen um das Genre. Andererseits verbauen diese den jungen Bands oft die Chance auf Erfolg, da diese direkt mit der rechten Szene in Verbindung gebracht werden. Es gibt wohl einige Bands, die schwammige Aussagen treffen, mit denen sie die Diskussionen um ihre angebliche Rechtsoffenheit künstlich am Leben erhalten. Ob gewollt oder nicht, schlechte Presse ist ja bekanntlich immer noch besser als gar keine.

 

Wen meint ihr konkret?

Als bemerkenswerte Texter sind sicherlich die Onkelz – also Stephan Weidner – und die KrawallBrüder zu nennen, obwohl die Texte der beiden Bands sich deutlich voneinander unterscheiden. Die KrawallBrüder sind eine der ehrlichsten und direktesten Bands, die wir kennen. Es wird das gesagt, was man denkt, egal, ob man sich damit Freunde macht oder nicht. Die Band hebt sich aber auch durch besonders ausgereifte Texte über Freundschaft u. ä. Themen (z. B. „Nie ein Ende seh´n“) deutlich von der restlichen Szene ab. Weidners Texte sind für uns ein Vorbild, da diese auch ehrlich und direkt kritisieren. Vielleicht nicht so brutal wie die KrawallBrüder, aber auf eine kreative, eloquente und smarte Art und Weise.

 

Ich meinte ja eher die Bands, „die schwammige Aussagen treffen, mit denen sie die Diskussionen um ihre angebliche Rechtsoffenheit künstlich am Leben erhalten“ – wen meint ihr damit?

Als bestes Beispiel dafür müssen wir leider eben Frei.Wild erwähnen. Wir glauben ihnen gerne, dass sie nicht rechtsradikal sind. Wir waren auch selbst schon auf Konzerten und haben uns ein Bild davon machen können. Allerdings stört uns einfach diese ständige Distanzierung von links. Es hat doch noch niemand behauptet, dass Frei.Wild linksextrem sei. Solche Aussagen sind ein gefundenes Fressen für Kritiker, die somit diese Diskussion am Leben erhalten. Die Band sollte sich einfach von rechts klar und deutlich distanzieren (wie sie es schon häufig getan hat, aber eben immer auch, in dem sie sich gleichzeitig von links distanzierten) und der Diskussion möglichst aus dem Weg gehen, dann würde diese sich (hoffentlich) auch von selbst auflösen. Die Onkelz sind da für mich ein gutes Beispiel. Die haben mit der Zeit einfach Interviews ignoriert, in denen sie als rechts bezeichnet wurden. Sie haben auf Konzerten und in Liedern klare Ansagen gemacht und dadurch das Thema in der Öffentlichkeit entschärft – zumindest sehen wir das so.

 

Frei.Wild ist der Headliner des heutigen Deutschrock. Welche Bands gehören für euch noch dazu?

Für uns sind Bands wie Der W, Veritas Maximus und die KrawallBrüder wichtige Vertreter des Genres und heben sich musikalisch wie textlich deutlich vom Rest der Szene ab. Außerdem sind Bands wie Unantastbar, Toxpack und Kärbholz ebenfalls nennenswerte Vertreter dieser Musikrichtung. Musikalische Vorreiter dieser Bands sind die Onkelz.

 

Was haben diese Bands noch gemeinsam – außer der deutschen Sprache in ihren Songs?

Die Vorliebe für harte Rockmusik und ehrliche, direkte Texte.

 

Gibt es musikalische Gemeinsamkeiten?

Zwischen den ‚Kleinen‘ der Szene leider viel zu viele. Die Basis der Szene ist viel zu wenig innovativ. Jeder will individuell und dagegen sein, aber nur wenige haben neue gute Ideen. Viele wissen wahrscheinlich nicht einmal, gegen was sie überhaupt sein wollen.

 

Wisst ihr es?

Wir sehen uns nicht als typische ‚Dagegen-Band‘, wie es im Deutschrock sicher viele gibt. Ein beliebtes Thema ist die berühmte „ACAB“-Kampagne, auf die viele aufspringen, einfach, weil es eben im Trend liegt, dagegen zu sein. Wir können uns mit solchen hohlen Formulierungen nicht identifizieren, da wir versuchen, eher Lösungen anzubieten, anstatt alles immer noch schlechter zu reden, als es sowieso schon ist. Natürlich sind wir gegen Verdummung, gegen Materialismus oder gegen Extremismus – aber wir betonen, was wir dagegen tun wollen. Wir sind z. B. dafür, dass jeder seine eigene Meinung haben sollte und sich für diese auch einsetzen muss, auch (oder erst recht), wenn sie nicht dem Mainstream entspricht. Nur so kann sich eine Gesellschaft weiterentwickeln.

 

Gibt es gemeinsame Einstellungen der Deutschrock-Szene?

Familiäre Werte und Freundschaft werden groß geschrieben, das schätzen wir sehr. Das ‚Außenseitertum‘ dieser Musik schweißt die Fans einfach zusammen.

 

Ist Deutschrock nur ein Untergenre des Hardrock oder schon eine eigene Szene mit eigenen Erkennungsmerkmalen?

Deutschrock ist eine eigene Szene, die sich musikalisch wie textlich recht deutlich vom Hardrock unterscheidet. Während Hardrock großen Wert auf ausgefeilte Instrumentals legt, stehen im Deutschrock eher die Texte und die Singbarkeit der Melodien im Vordergrund.

 

Gibt es den typischen Deutschrock-Fan?

Nein, Deutschrock bezieht Fans aus allen Schichten und Gruppierungen der Gesellschaft ein.

 

Unterscheiden sich Metal- und Deutschrock-Fans voneinander?

Metal-Fans sind genauso vielfältig wie Deutschrock-Fans, obwohl es eine große musikalische Schnittmenge gibt. Beide Szenen haben zwar viel gemeinsam, unterscheiden sich aber trotzdem deutlich voneinander.

 

Ist die Beschreibung der Deutschrock-Szene als „Familie“ nicht eher ein etwas kitschiger Mythos als Realität?

In der Deutschrock-Szene gibt es (wie auch in vielen anderen Randszenen) ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl, welches die Szene auch auszeichnet. Auf Konzerten feiert man zusammen und beim Pogo wird einem aufgeholfen, das findet man auf keinem Pop-Konzert.

 

Aber es gibt auch viele Konkurrenzen, Abneigungen, Distanzierungen unter den Bands, oder?

Ja, bestimmt. Aber es muss ja auch nicht jeder jeden mögen, oder? Wäre doch langweilig, wenn jeder dasselbe mögen würde.

 

Ist der öffentliche Druck auf Frei.Wild und die Deutschrock-Szene allgemein ein Grund für die Distanzierungen?

Sicherlich ist dieser Druck eine Abschreckung für viele schlecht Informierte. Allerdings kommen die Distanzierungen hauptsächlich durch viel Nicht- und Halbwissen zustande.

 

Habt ihr eigene Erfahrungen mit so was gemacht?

Wir selbst hatten mal ein Konzert an einer Schule, als eine Lehrerin sich beim Schulleiter beschwert hat, weil unser Sänger ein Frei.Wild-T-Shirt trug. Auf eine Nachfrage unsererseits wollte sie nicht mit uns reden. Das meinen wir mit Nichtwissen. Viele Leute lesen etwas in Klatschzeitungen und meinen, sie wären gut informiert und könnten mitreden, dabei ist das Thema einfach sehr komplex. Für uns war das einfach ein Zeichen dafür, dass viele etwas gegen Rechtsradikalismus unternehmen wollen, was wir sehr loben, aber sich einfach auf die Falschen stürzen.

 

Können Sponsoren und die öffentliche Kritik Festivalveranstalter dazu zwingen, eine Band wie Frei.Wild wieder auszuladen?

Ja, die Macht der Öffentlichkeit und die des Geldes sind einfach enorm groß. Besonders lobenswert finden wir deshalb die Festivals, die unerwünschte Bands trotzdem einladen und ihren Idealen und nicht dem Geld folgen. Nehmen wir als Beispiel die G.O.N.D. Dort wird keine Werbung gezeigt und die Veranstalter lassen ausschließlich Bands spielen, von denen sie überzeugt sind, unabhängig von deren Image in der Öffentlichkeit.

 

Kritiker bezeichnen das Ganze oft als „Prollrock“. Ein Klischee? Oder steckt da ein wahrer Kern drin?

Wie bereits erwähnt, kann sich die Spitze der Szene wirklich sehen lassen, wobei aber dahinter nicht mehr viel kommt. Das würden wir auch als Prollrock bezeichnen. Es geht fast ausschließlich um Frauen und Alkohol und das Ganze auch oft auf eine extrem niveaulose Art und Weise. Das ist auch einer der Gründe, warum uns der Begriff „Deutschrock“ etwas abschreckt.

 

Drückt sich darin auch eine gewisse Arroganz gegenüber einer bestimmten metal-affinen Musik aus?

Nein, das sehen wir anders. Wir würden es einfach unkreativ nennen, um ehrlich zu sein.

 

In der politischen Auseinandersetzung wohl der wichtigste Begriff ist „Grauzone“. Ein sinnvoller Begriff?

Ja, es geht einfach um einen schwer definierbaren Bereich aus ‚Normalos‘ und Rechtsgesinnten. Der Begriff ist unwahrscheinlich schwierig zu definieren, vermutlich könnte man ganze Doktorarbeiten darüber schreiben. Leider wurde die Diskussion darüber oft vereinfacht und dadurch falsch dargestellt.

 

Frei.Wild und andere Deutschrock-Bands werden von Kritikern oft sogar als „Rechtsrock“-Band bezeichnet. Was sind für euch die Unterschiede zum Beispiel zwischen Frei.Wild und Rechtsrock-Bands?

Rechtsrock-Bands distanzieren sich nicht von ihrer Szene, das ist der Hauptunterschied. Auf deren Konzerten würde man wohl auch deutlich klarere Bekenntnisse zum Rechtsradikalismus finden. Also für uns gibt es da ganz klare Unterschiede, die leider oft verwischt werden.

 

Aber so trennscharf sind die Unterschiede zwischen dem Deutschrock und dem Rechtsrock ja auch nicht, oder? Seht ihr gar keine Gemeinsamkeiten in den Grundeinstellungen, im Auftreten, in den Gefühlen und Stimmungslagen, die beide Gruppen auslösen können? Immerhin gibt es eine Schnittmenge in den Fanbases.

Musikalisch gibt es wohl kaum Unterschiede zwischen den Genres. Rechtsrock-Bands sind ja nichts anderes als Deutschrock-Bands mit politisch motivierten Texten, eigentlich eine Abart von Deutschrock. Schnittmengen in den Fanbases kommen wahrscheinlich daher, dass beide Genres über ein ‚Außenseitertum‘ singen und sich durch ihre direkte und unangepasste Art auszeichnen. Politisch uninteressierte und naive Deutschrock-Fans finden den Weg zum Rechtsrock wohl über die musikalische Gemeinsamkeit, ohne über die Texte nachzudenken.

 

Was interessiert eurer Meinung nach ‚Rechte‘ an einer Band wie Frei.Wild oder am Deutschrock allgemein?

Wie erwähnt singen beide von einer Außenseiterstellung in der Gesellschaft und haben ähnliche Musikgeschmäcker. Politisch Rechte können sich auch mit den deutschsprachigen Texten gut identifizieren. Hauptfaktor ist unserer Meinung nach aber die Fehlinterpretation des Begriffs ‚Heimat‘. Frei.Wild sowie andere Deutschrock-Bands sind oft sehr heimatverbunden, was sich auch in ihren Texten widerspiegelt. Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für Rechtsgesinnte, die diese Texte als Propaganda ideologisieren und missbrauchen.

 

Könnte die Deutschrock-Szene mehr tun, um gar nicht erst solche Fans zu bekommen?

Wir finden, dass große Bands der Szene sich einfach in einem oder mehreren Liedern unmissverständlich von Rechtsradikalismus distanzieren sollten, um das Thema nicht künstlich am Leben zu erhalten. Jeder, der der Band eine Nähe zum rechten Rand vorwirft, kann dann auf dieses Lied verwiesen werden. Der beste Weg, um Rechtsradikale zu vermeiden, ist, sie zu ignorieren. Sie würden sicherlich das Interesse an der Szene verlieren, wenn man ihnen dort keine Aufmerksamkeit schenkt, so unsere Meinung. Nichtsdestotrotz sind natürlich strenge Einlasskontrollen durchzuführen und Leute, die sich deutlich rechtsradikal zeigen (z. B. durch ‚Hitler-Gruß‘, verbotene Flaggen o. Ä.), des Geländes zu verweisen und entsprechend zu bestrafen.

 

Warum seid ihr selbst keine Neonazis geworden?

Die Betonung liegt bei uns auf Rock und nicht auf Deutsch. Außerdem haben wir in der Schule aufgepasst und legen Wert auf unsere Frisuren.

 

Was sind eure privaten Lieblingsbands?

Motörhead, Sublime, Johnny Cash, Metallica, Böhse Onkelz, KrawallBrüder, Down, Der W, Veritas Maximus, Tool, Broilers, AC/DC, System of a Down, Rammstein, Nirvana, Alice in Chains. Wie gesagt, wir sind sehr vielseitig aufgestellt …

 

Frei.Wild ist eine konservative Band. Rockmusik galt ja immer eher als links-rebellisch – im Gegensatz etwa zu Schlager und Volksmusik. War das schon immer ein Mythos? Ihr kennt ja viele Musiker persönlich ...

Musikrichtung und politische Richtung haben doch heutzutage gar nicht mehr viel miteinander zu tun. Klar war Punkrock, aus dem ja musikalisch gesehen auch der Deutschrock entstand, früher fast ausschließlich links-rebellisch, aber die Zeiten haben sich doch geändert. Wir finden es falsch, Musik und Politik zu vermischen. Musik darf gerne ehrlich und sozialkritisch, aber nicht politisch sein.

 

Die Metal-Szene, hat der Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs neulich erklärt, sei eine „spießige, konservative Musikkultur“ [vgl. www.faz.net/aktuell/feuilleton/metal-ist-eine-spiessige-konservative-musikkultur-12994516.html]. Ist da was dran? Und lässt sich das auf die Deutschrock-Szene übertragen?

Musikalisch ist die Metal-Szene alles andere als konservativ. Die Innovation und das musikalische Können der Musiker sind mehr als beispielhaft. Es gibt wohl keine andere populäre Musikrichtung, die Ähnliches vorweisen kann. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Technical-Death-Metal-Szene. Andererseits ist die Metal-Szene das ‚Böse-Buben‘-Image früherer Tage los. Metal ist keine Rebellion mehr – es ist eher zur Wissenschaft geworden. Die Musik klingt im Vergleich zu den Anfangstagen oft sehr steril, und nach unserem Empfinden stehen die Musiker nicht mehr richtig hinter ihrer Musik und Metal wird als Mittel zum Zweck genutzt, um das Können der Instrumentalisten zu zeigen. Es geht weniger darum, dem Publikum zu gefallen, als zu zeigen, was technisch möglich ist.

 

Auffallend finde ich, dass es so gut wie keine Musikerinnen in dieser Szene gibt. Nicht einmal Sängerinnen, geschweige denn Bassistinnen, Schlagzeugerinnen usw. Habt ihr eine Erklärung dafür?

Frauenstimmen können einfach seltenst die gewünschte Härte im Deutschrock-Bereich erzielen, das muss man ganz neutral und sachlich sagen. Die Deutschrock-Szene hat sich einfach als Männer-Szene etabliert. Das kann man hinnehmen oder nicht. Natürlich freuen wir uns auch über Frauen, die sich für die Musikrichtung interessieren. Am Ende geht es um die Musik und nicht um das Geschlecht.

 

Könnt ihr euch eine Musikerin in eurer eigenen Band vorstellen?

Klar, warum denn nicht? Wir verstehen uns zwar alle sehr gut und jeder ist fester Bestandteil der Band, aber grundprinzipiell wäre das vorstellbar, wenn es musikalisch und menschlich passen würde.

 

Ist ‚Heimat‘ ein rechtes Thema? Oder gibt es auch eine linke ‚Heimatliebe‘?

Heimatliebe hat unserer Auffassung nach nichts mit der politischen Einstellung zu tun. Man kann seine Heimat lieben und trotzdem Menschen aus anderen Kulturen akzeptieren. Für uns gibt es da keine Zusammenhänge. Wir sehen nicht, warum Linke ihre Heimat nicht auch lieben können.

 

Aber der Weg von Heimatliebe – Patriotismus – Nationalismus – Rassismus ist in Deutschland oft nicht weit, oder?

Ja, leider schon, die Themen werden oft von rechten Politikern oder anderen Funktionären missbraucht. Wir in Deutschland können ja allein aus historischen Gründen nicht mehr neutral mit diesen Begriffen umgehen.

            Wir bemängeln aber auch, dass in dieser Diskussion oft mit zweierlei Maß gemessen wird. Während großen Turnieren betont jeder, wie stolz er auf sein Land ist, und in der Volksmusik heißt jeder zweite Song „Heimat“, „Wie schön ist die Heimat“ oder „Ich liebe meine Heimat“ – gut, deswegen heißt es vielleicht auch VOLKSmusik. Aber sobald Frei.Wild sagt, dass sie gerne aus ihrem Heimatland kommen, regen sich alle auf – obwohl viele ja gar nicht mal wissen, dass Frei.Wild überhaupt nicht aus Deutschland kommt und dieses Thema deshalb mit einem ganz anderen Selbstverständnis betrachtet als manch einer hierzulande.

 

Onkelz und Frei.Wild – worin unterscheiden sich die beiden Bands eurer Meinung nach, was haben sie gemeinsam?

Die Onkelz sind einfach das Nonplusultra der Deutschrock-Szene, auch, wenn sie mit dieser nichts zu tun haben wollen. Sie distanzieren sich von der Szene, weil diese sich anders entwickelt hat, als sie es sich vorgestellt haben. Frei.Wild ist die Band, die die Lücke gefüllt hat, die die Onkelz hinterlassen haben – ohne ihnen ihre Daseinsberechtigung absprechen zu wollen. Eigentlich kann man aber die Bands schlecht vergleichen, da die Onkelz damals einer der Avantgardes des deutschen Stadionrock waren, während Frei.Wild in ihre Fußstapfen getreten ist. Frei.Wild befindet sich noch in einer Entwicklung, auf deren Ende man gespannt sein darf.

 

Wie siehst du den derzeitigen Konflikt zwischen den beiden Bands?

Die Onkelz fühlen sich durch Frei.Wild nachgeahmt.

 

Kannst du Kevins abfällige Bemerkungen über den Deutschrock nachvollziehen und warum die Onkelz sich generell von diesem Genre distanzieren?

Wie erwähnt ist die Szene musikalisch leider sehr unkreativ, davon wollen sich die Onkelz – besonders Kevin und Stephan – distanzieren. Hört man sich ihre eigenen Bands an (Der W und Veritas Maximus), dann spielt das musikalisch auf einem ganz anderen und kreativeren Level als die Mehrheit der Deutschrock-Bands. Wir können diese Distanzierungen gut nachvollziehen, da die Deutschrock-Szene zu einem großen Teil aus ‚Prollrock‘ besteht.

 

Warum ist Frei.Wild so erfolgreich?

Frei.Wild ist in die Lücke geschlupft, die die Onkelz hinterlassen hatten. Mit singbaren, ehrlichen Texten und einem ‚Böse-Buben‘-Image konnten sie stark in der Fanbase der Onkelz wildern. Die Szene war einfach auf der Suche nach einer Band mit Songs, die Tabuthemen ansprechen, und eine gewisse ‚Fuck-You-Mentalität‘ an den Tag legt. Das gepaart mit singbarem Stadionrock war und ist das Erfolgsrezept von Frei.Wild.

 

Was gefällt euch persönlich an Frei.Wild?

Die Band schreibt ehrliche Songs zum Mitsingen. Sie schaffen es immer wieder, Texte zu schreiben, mit denen sich viele identifizieren können, da sie mitten aus dem Leben kommen. Außerdem schaffen sie es als eine von wenigen Bands, mit Deutschrock die großen Arenen zu füllen und somit die Szene am Leben zu erhalten und auf ein höheres Niveau zu bringen.

 

Was stört euch an Frei.Wild?

Ehrlich gesagt finden wir die Musik vom Akkordaufbau und auch von der Spielweise her sehr einfach – um nicht zu sagen: primitiv. Der Sound ist zwar cool und die Gesangsmelodien können sich wirklich sehen lassen, aber die Band sollte bei dieser Bühnen- und Studioerfahrung innovativer sein und nicht jedes Lied auf vier Power-Chords aufbauen. Live stören uns das stetige „Jetzt klatschen“ und „lauter singen“ – wir wissen doch, wann wir zu klatschen haben und wann nicht. J Wir würden uns auch wünschen, dass sich Philipp Burger nicht immer in den Vordergrund stellt. Er macht jede Ansage und steht als Sänger sowieso schon im Vordergrund, aber er sollte bei Interviews oder auch bei Bühnenshows den anderen drei Bandmitgliedern öfter die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren.

 

Was wäre für euch ein optimaler Umgang mit einer Band wie Frei.Wild?

Wir würden uns wünschen, dass die Leute ehrlich und sachlich mit Frei.Wild umgehen. Die Musik muss ja nicht im Radio laufen, aber es gibt einfach viel zu viele Tratschtanten da draußen, die sich nie mit der Band auseinandergesetzt haben, aber Fans und Band aufgrund ihrer Rechtsnähe verurteilen. Wie rechts kann denn eine Band noch sein, die auf Konzerten von 10.000 Fans „Nazis raus!“ rufen lässt? Uns nervt diese Diskussion der schlecht Informierten inzwischen nur noch. Es ist ja derselbe unfaire Umgang wie mit den Onkelz oder anderen Bands des Genres. Über die musikalische Leistung liest man kein Wort, aber mit jedem noch so kleinem Skandal werden Bücher geschrieben … Aber so ist das wohl in der heutigen Mediengesellschaft, da vermissen wir die Fairness.

 

Viele Deutschrock-Bands beharren darauf, „unpolitisch“ zu sein. Weshalb eigentlich?

Man wird automatisch in eine rechte Ecke gedrängt, wenn man deutschsprachige, harte Rockmusik macht. Hat schon mal jemand Helene Fischer nach ihrer politischen Einstellung gefragt? Interessiert sich jemand dafür, wen Cro wählt? Wir bleiben dabei, dass Musik und Politik nichts miteinander zu tun haben außer den letzten beiden Buchstaben. Ehrlich gesagt nervt uns diese Diskussion.

                                                                     

Wie ist das bei euch? Seid ihr ‚unpolitisch‘?

Wir als Band wollen keine politische Richtung vorgeben und unseren Zuhörern die Meinungsbildung selbst überlassen. Privat haben wir alle eigene politische Meinungen, die aber keinen Einfluss auf unsere Musik haben.

 

Ist das nicht 1. unlogisch, wenn ein Teil der Bands, die sich als „unpolitisch“ bezeichnen, sich zugleich ja doch selbst politisch äußern oder sogar engagieren, z. B. „Gegen Rassismus und Extremismus“ wie Frei.Wild, und 2. kontraproduktiv, wenn die Szene immer politisch (als „rechts“) angegriffen wird und sich positionieren muss?

Wir finden, dass Engagement gegen Rassismus und Extremismus nichts mit Politik zu tun hat, sondern mit Menschlichkeit und Zivilcourage. Für uns ist es selbstverständlich und szenenunabhängig, sich gegen Rassismus und Extremismus auszusprechen.

 

Gerade erfolgreiche Künstler_innen haben auch die Möglichkeit, auf Themen aufmerksam zu machen, sie stehen – ob sie es wollen oder nicht – als Vorbilder für viele in der Öffentlichkeit. Wäre es deshalb nicht wünschenswert, wenn sich möglichst viele Musiker_innen politisch engagierten, durch klare Worte und Taten, zum Beispiel bei Themen wie Rassismus, Rechtsextremismus, Gewalt, Armut usw.?

Generell ist es wünschenswert und vorbildlich, wenn sich Musiker für Toleranz und Menschlichkeit einsetzen. Allerdings ist es vor allem in der Deutschrock-Szene schwierig, sich zu politikverwandten Themen zu äußern, da man sofort politisch kategorisiert wird. Gerade Bands in der Deutschrock-Szene haben als Vorbilder großes Potential, junge Menschen zu erreichen, doch die politische Diskussion um die Szene lässt den Musikern kaum Spielraum, um gesellschaftliche Problemthemen wie Rechtsextremismus zu behandeln, da ihre Aussagen von den Medien oft böswillig fehlinterpretiert werden. Aus dieser medialen Diskussion resultiert, dass der Deutschrock-Szene jegliche Chance auf musikalischen und gesellschaftlichen Fortschritt nahezu komplett verwehrt wird.